Ziel und Nutzen

Geflüchtete sind besonders gefährdet, einen riskanten Substanzkonsum oder weiterführende Suchtprobleme zu entwickeln. Gleichzeitig werden Geflüchtete seltener von Suchthilfeeinrichtungen erreicht. Strategien für die Bereitstellung von Maßnahmen zur Verhinderung oder Verringerung von Suchtproblemen bei Geflüchteten, die auf die Bedürfnisse dieser Gruppe zugeschnitten sind, werden daher dringend benötigt.

Vor diesem Hintergrund verfolgt der PREPARE Verbund die folgenden Ziele:

1.) Bereitstellung systematischer Evidenz zu problematischem Substanzgebrauch bei Geflüchteten
2.) Identifikation von Prinzipien und Strategien guter Versorgungspraxis in der Suchthilfe bei Geflüchteten
3.) Verbesserte Erfassung von problematischem Substanzgebrauch bei Geflüchteten und Evaluation von innovativen Interventionen
4.) Indizierte Prävention bei substanzbezogenen Störungen bei Geflüchteten 
5.) Evaluation eines integrativen Behandlungsansatzes für traumatisierte Geflüchtete mit substanzbezogenen Problemen

Wissenschaftlich ausführliche Projektbeschreibung

Zur Erreichung der Ziele wird der Forschungsverbund in vier eng miteinander verzahnten Projekten ein Spektrum an methodischen Ansätzen einsetzen: die Rapid assessments, Analyse von Registerdaten, qualitative Studien und zwei klinische Studien.

Projekt 1 wird die Häufigkeit problematischen Substanzgebrauchs und die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten bei Geflüchteten in Deutschland erfassen. Darüber hinaus werden Prinzipien und Strategien guter Versorgungspraxis bei Geflüchteten systematisch aufbereitet und zur Verfügung gestellt. Projekt 2 hat zum Ziel, einen systematischen Überblick über häufig eingesetzte Instrumente zur Diagnostik substanzbezogener Störungen und deren Qualität bei Geflüchteten bereitzustellen. In Projekt 3 wird eine kultursensible Smartphone-basierte Kurzintervention für Geflüchtete mit riskantem Substanzkonsum entwickelt und evaluiert. Projekt 4 evaluiert einen integrativen Gruppenbehandlungsansatz für Geflüchtete mit posttraumatischer Belastung und bereits bestehenden substanzbezogenen Problemen.

Um die Produkte und Ergebnisse des Verbundes einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wird ein nationales webbasiertes Ressourcencenter bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) implementiert werden.

Erwartete Ergebnisse: Wir werden systematische Evidenz über substanzbezogene Probleme bei Geflüchteten zur Verfügung stellen, einen Rahmen für gute Praxis der Bereitstellung von Maßnahmen für diese Gruppe setzen und innovative Maßnahmen für Prävention und Behandlung schaffen. Vor dem Hintergrund des Mangels an Daten in diesem Feld erwarten wir, dass unsere Ergebnisse von hoher Relevanz sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene sind.

Kontakt

Prof. Dr. Ingo Schäfer

i.schaefer@uke.uni-hamburg.de
+49 40 7410 59290

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

UKE

Projektlaufzeit

02/2019 bis 01/2024

Teilprojekte des Verbundprojekts

Planung
Durchführung
Abschluss

SP1: Erfassung des Substanzkonsums und Prinzipien guter Praxis bei Hilfsangeboten

Kurzbeschreibung

Bis dato gibt es wenig verlässliche Informationen zu substanzbezogenen Störungen bei Personen mit Fluchtgeschichte. Das Teilprojekt zielt daher auf die Identifikation von gefährdeten Gruppen und konsumierten Substanzen, substanzbezogenen Problemen und zu Konsum führende Faktoren in sieben Großstädten sowie einer jeweils dazugehörigen ländlichen Region ab.

Darüber hinaus werden Strategien „Guter Praxis“ in der Suchthilfe-Versorgung geflüchteter Menschen in Deutschland identifiziert und die Suchthilfe in Deutschland befragt, inwiefern diese Strategien in der Praxis bereits Anwendung finden.

Ort: Berlin

Teilnehmende gesucht Ja
Zielgruppe Mitarbeitende, Einrichtungs-/Projektleitungen von Suchthilfeeinrichtungen
Zur Teilnahme
Projektdetails
Planung
Durchführung
Abschluss

SP2: Diagnostik von Substanzgebrauch bei Geflüchteten

Kurzbeschreibung

Dieses Projekt im Rahmen des Forschungsverbundes PREPARE soll dazu beitragen, Substanzkonsum in Geflüchteten zielgruppenadaptiert zu erfassen. Dieses Ziel wird in unterschiedlichen Schritten erreicht. Die umfassen die Erstellung einer Übersicht zu vorhandenen Erhebungsinstrumenten, sowie die Auswahl, kulturelle Adaptation und Validierung eines Instruments, welches von Expert:innen und Geflüchteten als geeignet eingeschätzt wird.

Ort: Emden

Projektdetails
Planung
Durchführung
Abschluss

SP3: BePrepared – Kultursensible digitale Kurzintervention zur Reduktion von problematischem Alkohol- und Cannabiskonsum

Kurzbeschreibung

Im Teilprojekt BePrepared wird eine kultursensible digitale Kurzintervention – in Form einer Smartphone-App – für junge Geflüchtete mit problematischem Alkohol- und Cannabiskonsum entwickelt und evaluiert. Die BePrepared-App ist kostenlos, anonym und in fünf Sprachen verfügbar: auf Arabisch, Deutsch, Englisch, Farsi und Paschtu. Durch den digitalen und kultursensiblen Ansatz der Intervention wird ein Beitrag zur Suchtprävention der schwer erreichbaren und unterversorgten Population junger geflüchteter Menschen geleistet.

Orte: Köln, Berlin

Teilnehmende gesucht Ja
Zielgruppe Junge Geflüchtete, die schon einmal Alkohol getrunken oder Cannabis konsumiert haben
Zur Teilnahme
Projektdetails
Planung
Durchführung
Abschluss

SP4: Wirksamkeit eines kultursensiblen Behandlungsprogrammes für Geflüchtete mit Suchtproblemen und posttraumatischer Belastung

Kurzbeschreibung

Im Teilprojekt 4 wird die Wirksamkeit eines integrativen Gruppentherapieansatzes (STARK) bei Geflüchteten mit belastenden Symptomen nach traumatischen Erfahrungen und einem riskanten Suchtmittelkonsum oder einer Suchterkrankung untersucht. Dabei handelt es sich um ein kultursensibles, störungsübergreifendes gruppentherapeutisches Angebot, das auf die Verbesserung der Affektregulation abzielt.

Ort: Hamburg

Teilnehmende gesucht Ja
Zielgruppe Männliche Geflüchtete ab 18
Zur Teilnahme
Projektdetails